Samstag, 30. Dezember 2017

Live-Konzerte - 2 - Aller Erste Sahne ! LIVE ! The Best I Know ! LIVE IS LIVE !

 

Inhalt :       1. Bob Marley  1979    2. Miles Davis  1985     3. Miles Davis 1985     4. Bill Frisell Trio  2025

 

BOB MARLEY Live in Santa Barbara 1979 FULL CONCERT






(zum weiterlsen am besten auf überschrift klicken)

Es gibt wenige zusammenhängende Live Veröffentlichungen von Marley auf YouTube. Aber dies Konzert in Santa Barbara 1979, gibt es ein paar mal. Es hat ausgesprochen Reggea Feeling. Marley und Kollegen spielen lahm, relaxt, entschbannt. Aber genauso ist es richtig. Mir sagte mal jemand, es war eine Koryphäe, es sei viel schwerer, richtig langsam zu spielen, als schnell. Bei schnell bist du durch und fertig. Bei langsam musst du jeder Kleinigkeit Rechenschaft ablegen. Das kann nicht jeder. Das strengt unheimlich an.

Hier hat Marley Bläser dabei, Sax und Trompete. So kenne ich ihn gar nicht. Ein Jahr später, auf Europa Tournee, gibts keine Bläser mehr. Back to the roots. 

Songs und wo man sie im Video findet :

1. Positive Vibration  1:20         2. Wake Up and Live  6:30        3. I Shot the Sheriff    11:45     4. Ambush in the Night   16:20       5. Concrete Jungle   20:10     6. Running Away    25:10      7. Crazy Baldhead    28:40           8. Them Belly Full   33:20          9.Heathen    36:42               10. Ride Natty Ride   41:15         11. Africa Unite   45:25               12.One Drop   49:55           13. Exodus  54:00        14. So Much Things to Say  1:00:10    15. Zimbabwe  1:03:40     16.Jamming     1:07:45           17. Is This Love   1:12:45           18. Kinky Reggae    1:16:00     19.Stir It Up   1:19:35         20. Get Up Stand Up   1:23:15

Ganzes Konzert : 1:32:16       (Eingestellt von Herick Santos)

Backing Vocals – Judy Mowatt, Rita Marley        Bass – Aston Barrett
Congas – Devon Evans      Drums – Carlton Barrett
Keyboards – Earl "Wire" Lindo, Tyrone Downie
Lead Guitar – Al Anderson, Junior Marvin
Percussion – Alvin "Seeco" Patterson
Saxophone – Glen DaCosta        Trumpet – Dave Madden
Vocals, Rhythm Guitar – Bob Marley

 

Noch ein paar Worte zu Reggea. Es gibt Leute, die finden das inzwischen langweilig. Simpel. Man habe die Schrubbelei genug gehört. Da sage ich, Reggae ist genial, ein revolutionäres Machwerk. Die tradierte Takt Akzentuierung von Fuss- und Snaredrum. Die weltweite Pop-Betonung von Fuss-Hand-Fussfuss-Hand wurde mit Verschiebung von Takten 1 und 3 auf  2 und 4 zur verblüffenden Reggea Formel :  Hand-Fuss-Handada-Fuß  !!    Das ist ein lockeres aus den Angeln heben von West und Afroamerikanischen Pop-Rock-Hosenanzug-Spiritus-Blues-Disco-Rock-und-Roll-Beat-Hit-Hörgewohnheiten. Weltweit hat man diese Reggae Einflüsse übernommen. Marley war ein weltweiter Superstar. Nur die iberischen Flamencospieler Andalusiens blieben stolz und ließen nichts an ihr Heiligtum ran. Olé !   

Und : Die UNESCO erklärte 2018 Reggae zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Da habt ihrs Schwarz auf Weiß ! De Reggae isch guud !                      

O.K. Ein Jahr später 1980, war Bob Marley auf Tournee auch in Europa. Bei uns in Freiburg war Häuserkampf, Straßenbesetzungsfeiern, Demonstrationspartys spontan. Die StudentInnen hatten Schubkarren mit richtig kompakten Veranstaltungsboxen und Batterien. Es lief Bob Marley, alles war Basslastig. Das hatte schon was, sich in der Stadt treffen, mit Marley. Mit dem Auto bin ich mit einem Kumpel, Django, aus der Clique in die Innenstadt gefahren. An der Kronenbrücke wurde es zäh, Richtung Uni-Bibliothek und Uni-Platz war es voll. Statt die anderen zu treffen, wie lose ausgemacht, sagten wir uns an der Kronenbrücke, wir biegen ab. Denn nämlich wir hatten gehört, Bob Marlea spielt in Straßburg.  Immer dieser Straßen Open Air Versteckspiele mit Bob Marley in der Luft.  Wir sind nach Straßburg gefahren. Halle Rhenus. Bob Marley Livehaftig ! Ich meine, die Boxen von Bob, das schafft kein Leiterwagen mehr. Für die Teile waren Hebekräne zuständig. Wenn dann ein Rasta dort draufstieg, dachten alle es sei Bob. Der ganze Abend war eine kollektive fröhliche Stimmung. Die Boxen und Bühne, die Musik, das war monströs. 

Im "Uprising Tour" Konzert in Straßburg, waren wir am 09.06.1980.

Ich bin froh, dass wir auf die Kronenbrücke Zubringer Mitte abgebogen sind.

Überraschend ist Bob Marley am 11.05.1981 verstorben, mit 36 Jahren.





 

 

 

 

 

 

 

 

MILES DAVIS

 

Und jetzt mein besonderer Freund. MILES DAVIS . Jaa, ich hab viel gehört, geschaut, gelesen, an mich rangelassen, von ihm. Miles war bei mir immer Erster der TOP 1 . Ich zeige mal eine sentimentale, liebliche Seite von Miles. Dazu hier noch eine Playlist von "Miles Davis - Love Songs" Man sieht, früher hat er auch schon Broadway/ Film/ Musical-Schnulzen adaptiert. Feine Jazz-Balladen halt.

Hier jetzt, Mitte 80-er nach Comeback, seine "Gassenhauervorliebe" mit "Human Nature" (Michael Jackson), und "Time after Time" (Cyndi Lauper). Das spielte er, bis er starb. Eine Live-Übertragung von Montreux, ließ mich mit einer Klassenkameradin aufhorchen. Wir waren mit Auto im Dunkeln unterwegs. Deshalb war die Musik ein Highlight. "Ach ist das schön". Es war in dem Jahr, 1985,  eine Aneinandersetzung von "Time after Time" und "Ms. Morrisine". Diese zelebrierten Melodieschnipsel in den letzten 3 Minuten, auf Keyboard, hatte es uns angetan. Ohrwurm ! Das Herunterladen dieser Stücke von 2 verschiedenen Kanälen, das wars, weil Ton und Bild super waren. Man muss nur nach "Time after Time" zum nächsten Video "Ms. Morrisine" klicken. Dann hat man den Miles Zauber in Vollendung. 

Die Aufnahmen sind Klasse. Miles steht im Mittelpunkt, von Band, vom Publikum, setzt sich in Szene als Wichtigster Ton der Welt. Jeder Furz von ihm wird beklatscht. Zu Recht. Und er hört nicht auf, dich zu verzaubern. Ich habe noch nie Japaner gesehen, die auch klatschen, wenn der Künstler mal kurz aufhört. Sie sind einfach entzückt, dankbar. Und halten auch die Luft an. Etwas Besonderes gibt es noch, Miles ist fast zärtlich zu seinen Mitspielern. Er schiebt sie auf der Bühne hin und her. Die sind irritiert vom Alten, was will Daddy wieder. Er haut schnell ab. Das ist einfach nett, er bleibt dabei Respektsperson. Grandios, diese Interaktionen. Zwischendurch glättet er mal sein zersaustes Haar mit Feuchte. Schließlich sind ja paar Leute da. Muss Miles mal ein keyboard reparieren, geht der Bob Berg  schnell vor und spielt Solo. Dann versucht Miles die Gitarre zu spielen, die Trompete ist aber im Weg. Scofield lacht. Am Ende dann die Trompete einarmig in die Luft vor dem Publikum. Wie die Freiheitsstatue. Und überhaupt, wie Miles mit Pausen, kurze Zwischenläufe,  lockere Theatralik Spannung aufbaut und hält, ein Meister der gepflegten Dynamik !   Früher waren diese Miles Schnulzen schnell abgegriffen, durchgekaut. Heute finde ich sie sensationell ! Auf gehts :

  

Number One :

Miles Davis - Time After Time (Live 1985)     (9:57)        (SophyaAgain)

 


 

Number Two : 

  


 



 

 

 

Number One and Number Two direkt hintereinandergespielt. Live at "Yomiuri-Land Open Theatre East", Tokyo, at "Live under the Sky 1985" on 28.07.1985



Miles Davis - tp & keyboard                                      Bob Berg - ts & ss 

John Scofield - g                                              Robert Irving III - keyboard 

Darryl Jones - b                                            Vincent Wilburn Jr. - ds 

Steve Thornton - percussion
























Bill Frisell Trio 2025

 

 

Wir schauen ab und zu mal, was macht eigentlich Bill Frisell ? Unser Bill Frisell Trio, aktuell, 2025. Und siehe da, YouTube spült uns ein Konzert auf den Bildschirm. Ist das nicht nett ?!  

Warum ausgerechnet nach Bill Frisell suchen ? Nun, wir hatten ja schon mal über ihn berichtet, Bill Frisell Trio in Salzburg 2023 . Und die Geschichte mit dem Karohemd. Wir setzen das jetzt hier, im Großen und Ganzen, als Wohlbekannt voraus. Als erstes fällt einem auf, er hat das Hemd noch an 😄. 

GroundUP ist ein nettes, feines Musikfestival in Miami Beach Florida USA. Die machen  "Family Dinner Weekend" .. Ansonsten hat das Festival atmosphärische Ambitionen und mit Profis Workshops. Die Agenda geht über Bands anhören hinaus. Wurde gegründet von einer Kollektiv Fusion Jazz-Rock Truppe (Snarky Puppy).

  

Bill Frisell Trio [FULL CONCERT] - GroundUP 2025

 


 

 

1.  Levees   0:00                2.  Valentine   7:25              3.  Claude Utley   16:40                            4. Rambler   24:40        5. You Only Live Twice (Barry/Bricusse) 32:00       6. Baba Drame (Traore/Camara) 45:00    7. What the World Needs Now Is Love (Bacharach/David) 52:00 

Ganzes Konzert : 56:26

 

Bill Frisell  -  g              Rudy Royston - drums           Thomas Morgan - bass  

 

Ich sags jetzt mal so, diese duften Stücke von Bill Frisell besprechen, ist jetzt nicht so meine Intention. Ich will eher das, was ich im Video wahrnehme, was mir dazu einfällt, beschreiben. Beim Bill Frisell Trio ist es ja so, dass man kaum erkennt, wo ein Stück aufhört und das nächste beginnt. Die schieben das ineinander. Man muss die Stücke gut intus haben, um zu sagen, diese Tonschnipsel jetzt da am Ende, die sind schon der Beginn vom nächsten Lied ! Ach. Es hört sich alles so zusammenhängend an, wie aus einem Guss. Bill Frisell, der Verpackungskünstler. Das Spiel mit versteckten Hinweisen. Ein eindeutiger Zweideutigkeitslieferant. Die Eingeweihten sind bei der Antizipation klar im Vorteil. Umso schöner, dass die digitalen Angaben der Musikstückzeitpunkte, die Songs doch klar trennen. Es wird nichts verhunzt.   

Das längste Stück, "You only live Twice" - 13 Minuten lang - ist mir auffällig, weil es ruhig, langsam ist und nicht aufhört. Das Trio versteht es ausgezeichnet, die stockende Karre immer wieder flottzumachen. Was macht Bill in den letzten Minuten ? Er spielt irgendwelche Tonfolgen wie Tonleiter, speichert sie und spielt dann über die Loops. Schön zu hören. Im nächsten Stück "Baba Drame",  und vor allem im ersten Stück (nach Minute 6)  gibt es wieder diese Trio Frisell’ schen Rock Ausbrüche. Just, als die Farb-Scheinwerfer das sinkende Florida Licht kompensieren wollen. Es wird hier schnell Nacht.  Aber Sonne hin oder her. Die drei können dir auf Kommando einen verschwitzten Heavy Rock Sound herzaubern, der sich gewaschen hat und sofort wieder verschwinden konnte. Beim  erstenmal in Minute 6, beim erstes Lied. Whow ! Woodstock, Jimi, Yeah ! 

Am Anfang war Frisell noch etwas ungehalten, wegen Sound, die Fußtrommel, aber gleich war alles in Ordnung. (Ich denke, Claudia Engelhart hat etwas Urlaub, nach 35 Jahren Sound-Engineering).

Nun, das Salzburg Konzert im Jazzit Keller, 2023, das war die Musik, auf die Kleinkunstbühne konzentriert. Ok, die Musik war im Raum, die Aufmerksamkeit aber primär auf der Band. Und jetzt, Open-Air, es ist ja nicht so, dass die Band in ganz Florida zu hören ist. Das geht ja nicht. Aber auf der Bühne vis à vis der Pommesbude, könnte man ja befürchten, dass das Durchgangspublikum zu hören ist. Aber der Sound ist exzeptionell, klar und vordergründig auf dem Bildschirm. 

Damit kommt man zum Hintergründigen. Dem Umfeld, das, was so drumrum passiert. Ob man will oder nicht, ein bärtiger Zuhörer taucht auf. Hinter und zwischen Frisell und der Box, im Outdoor Freizeit Look, lehnt er sich auf irgendwas. Und hört lange zu. Ist von Beginn zwischen konzentriert, gepackt, zeigt dies mehr oder weniger. Mit Körpersprache.  Es ist nicht möglich, neben der Musik, sich nicht auch auf ihn zu konzentrieren. Er ist einfach für den Focus zu zentraldominant.

Hier das Fanprotokoll : Min 2  er taucht auf. ist sofort einverstanden mit der musik,   Min 9  er überlegt haarscharf, lächelt plötzlich und wippt mit dem kopf. er ist gepackt. vom bluesbass  Min 12  er holt sich hinten links einen drink in der ketchupbar.  Min 13  geschüttelt.  Min 14  ist rechtzeitig zum drum-solo zurück. usw usf  Min 34 : er geht. handy, eine frau geschäftig. holt sie ihn ab ? also das war ein wahrer fan, es hat ihm gefallen. vielleicht auch jazzpolizei, er gibt durch, Frisell Trio great, oder security in der jazzpause. guter mann.



Nachfolgend ein Link, anderes Video, anderer Blickwinkel, von "The Groove Merchant" : 

Bill Frisell Trio - GroundUp Music Festival 2/9/2025                 (20:13)

Noch ein anderer Blickwinkel, von "merilon" :  

Bill Frisell Trio - Live at Ground Up Festival - Feb 9, 2025 - Miami, FL         (34:28)

 


Jede Perspektive entfaltet sein spezifisches Eigenleben. Sei es die Platzierung der Band. Die Leute im Publikum. Achtung, Übung für Fortgeschrittene : Kann ich die Videoaufnehmer auf den anderen Aufnahmen entdecken ? Und die Helligkeit..das Dunkelwerden wird ganz unterschiedlich eingefangen. Ich denke ein technisches Phänomen. Futschi Abblendweitwinkel oder sowas. Viel Spaß !

Die Tatsache, dass es Nacht wird, während des Konzertes, ist ein schönes Naturereignis. Da möchte ich nebenbei noch erwähnen, bei einem Festival im Karlsruher Wildparkstadion, habe ich das schonmal erlebt. 04.09.1977 glaub ich, wir sind hin ! Achch, hier beschreibt es einer, Thomas Fay, ein Fan : Santana und Festival Karlsruhe  Ehh, 25 Deutsche Mark hat uns das gekostet, Wahnsinn !  Chicago waren da, Rory Gallagher, Udo Lindenberg und Panik Orchester mit Peter Herbolzheimer BigBand, ja und ebend Carlos Santana Band. Plötzlich fiel einem auf, der Beginn war Tag hell, mit Sonnenuntergang wurde es dunkel. Die spielten immer noch ihren Latin-Rock-Latin, aber die Athmosphäre wurde immer schöner exotisch. Ein Meer an Feuerzeug-Flammenbeleuchtung. Ein Stimmungshoch wie im Urlaub. Im Link oben hat es Rockfan Fay schön beschrieben. Nein, getroffen habe ich ihn damals nicht. Bei 45.000 Zuschauer kannsch des vergesse..

Ich bediene mich noch abschließend einer Wortwahl aus "Die verlorenen Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll. Ich beziehe mich aber auf Musik, nicht auf Literatur :


Personen und Musik meiner Erzählung sind nicht frei erfunden. Bill Frisell spielt kein Free-Jazz. Sollten sich bei der Schilderung gewisser musikalischer Spielweisen Ähnlichkeiten mit dem Spiel von Carlos Santana ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern vom Sonnenuntergang her gesehen, unvermeidlich. 

(Klemens Bernhard Kuch in Anlehnung Heinrich Böll) 





                                            -E-N-D-E-



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